Haaranalyse / Mineralstoffversorgung beim Rind

Mineralstoffversorgung bei Kühen

©Birgit Gnadl

Mineralstoffe sind essentielle Nährstoffe, die im Organismus viele wichtige Aufgaben haben. Gesunde Rinder zeichnen sich durch eine dem Alter entsprechende Größe und Entwicklung, ein lebhaftes und aufmerksames Verhalten, straffe Körperhaltung, lebhaften Gesichtsausdruck, aufmerksame Augen- und Ohrenbewegungen, glänzendes und kurzes Haarkleid sowie gesundes Fressverhalten aus.
Hohe Erträge im Futterbau und in der Milchproduktion erfordern eine entsprechende Mineralstoffversorgung des Bodens im Sinne der Harmonie von Boden, Pflanze und Tier. Landwirtschaftlich nachhaltig wirtschaften heißt, den gesamten Nährstoffkreislauf zu berücksichtigen, also neben Makronährstoffen (Kalzium, Phosphor, Magnesium, Schwefel) auch die Spurenelemente wie Zink, Kupfer, Mangan und Selen.
Inzwischen stellte sich heraus, dass zum Teil erhebliche Versorgungslücken bestehen, die je nach Bodenart die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere mehr oder weniger beeinträchtigen.
Die Spurenelementversorgung der Böden ist natürlich auch Standortbedingt. Zinkmangel beispielsweise trifft man häufig bei Löss, Geschiebelehm und Muschelboden. Selenmangel wird der alpinen Region zugeschrieben.
Verwertungsstörungen entstehen bei einem Ungleichgewicht von Mineralstoffen oder Spurenelementen, auch eine Schwermetallbelastung kann zu Verwertungsstörungen führen. Aber auch die Genetik spielt eine große Rolle.
Es ist nicht immer ratsam zum Ausgleich der fehlenden Stoffe auf Standard- Mineralfutter zurückzugreifen. Als sehr sinnvoll und effektiv hat sich die optimierte, bedarfseigene Mineralstoffmischung erwiesen. Hier gilt es die vorhandenen Diagnostischen Möglichkeiten zur Versorgung der Herde auszunutzen.

Ausschöpfung der Diagnostischen Möglichkeiten:

Futteruntersuchung

Das Futter ist einer der größten Kostenfaktoren in der Tierhaltung. Der Nährstoffgehalt der Futtermittel schwankt von Jahr zu Jahr. Daher nützen das teuerste Fütterungsprogramm und die detaillierteste Rationsberechnung nichts, wenn die betriebs- spezifischen Inhaltsstoffe der Futtermittel nicht bekannt sind. Wer an den Kosten für die Futteruntersuchung spart, kann schnell viel größere Verluste durch einen Leistungseinbruch oder durch Erkrankungen der Tiere verursachen. Futteranalysen können zwar den Gehalt an bestimmten Mineralstoffen feststellen, über die Resorption, aber geben sie keine Auskunft.

Bodenuntersuchungen

Eine effiziente Nutzung von Nährstoffen ist eine grundlegende Voraussetzung für die Entwicklung und Optimierung von nachhaltigen Produktionssystemen in der landwirtschaftlichen Produktion. Besonders in Low Input Systemen wie dem biologischen Landbau spielen die Nährstoffumsatzprozesse aus organischen Düngern und Pflanzenrückständen eine Schlüsselrolle zur Ernährung der Kulturpflanzen und zur Verbesserung des agronomischen Managements. Hat der Boden bereits Defizite, wird auch die Kuh zu wenig Mineralstoffe und Spurenelemente über das Futter erhalten. Ist der Boden mit Schwermetallen oder Fremdstoffen belastet, kann sich das ebenfalls negativ auf die Verwertbarkeit der Inhaltsstoffe des Futters bei der Kuh auswirken. Fehlende Stoffe sollten gezielt ausgeglichen werden.

Blutanalyse

Häufig ist die Blutuntersuchung das Mittel der Wahl. Zur täglich Routine von Tierärzten gehört es Tieren Blut zu entnehmen, um auf deren Gesundheits- und Ernährungsstatus rückschließen zu können. Dabei werden die zu ermittelten Blutparameter mit den von Laboratorien angegebenen Referenzwerten verglichen und das Tier gegebenenfalls als gesund oder krank beurteilt. Es ist eine Momentaufnahme und hierbei haben der Zeitpunkt der Blutentnahme, bzw. der Fütterung und der gerade zugrundeliegende Hormonstatus Einfluss auf die zu bestimmenden Parameter.
Blut kann sehr viele Informationen liefern, für manche Fragen jedoch ist Blut ungeeignet. Blutuntersuchungen geben über den Energiestoffwechsel oder Entzündungen gute Aussagen, aber bei der Ermittlung von Spurenelementen versagen Blut oder Harn häufig. Wenn es aber um den Säure-Basen-Haushalt geht (z. B. die Frage nach chronischer Pansenalkalose oder –azidose), kann man auf eine Urin- oder Blutanalyse nicht verzichten.
Beim Spurenelementstoffwechsel muss man sehr genau unterscheiden, zu welchem Spurenelement Informationen notwendig sind. So ist beispielsweise im Akutfall die direkte Selenuntersuchung im Blut wertvoll, aber es ist auch zu berücksichtigen, dass die Selenwerte im Blut sehr oft schwanken, da diese auch Jahreszeitabhängig sind.
Über Kupfer kann man aus dem Blut nur erfahren ob ein Mangel vorliegt, nicht aber ob zu viel verfüttert wurde. Bei der Untersuchung von Zink erhält man im Blut lediglich die grobe Richtung, bei Mangan verhält es sich ähnlich. Mit radioaktiv markiertem Mangan konnte man beispielsweise nachweisen, dass dieses Spurenelement wenige Stunden nach der Aufnahme mit dem Futter im Haar nachzuweisen ist, jedoch im Blut nicht als Überschuss in Erscheinung trat.

Referenzwerte

In den zurückliegenden Jahren traten in der Praxis gehäuft Unterschreitungen der Blut- Referenzbereiche besonders im Bereich der Mengen- und Spurenelement- sowie der Vitaminversorgung von Kühen auf, ohne dass die Tiere klinische Symptome zeigten und auch, obwohl sie entsprechend den Empfehlungen gefüttert wurde. Dies macht deutlich, dass die angewandten Referenzwerte und Versorgungsempfehlungen, die regelmäßig den wechselnden Leistungen und Bedürfnisse der Tiere angepasst werden tatsächlich nicht übereinstimmen. Außerdem sind trotz häufiger Referenzunterschreitung kaum klinische Symptome oder andere Mangelerscheinungen beobachtet worden (Ohlschläger, Tierärztliche Fakultät Hannover 2006).

Haaranalyse beim Rind

Nicht nur beim Menschen sind Haare verräterisch, auch bei Tieren können Haare Hinweise auf Krankheitsursachen beziehungsweise Mangelerscheinungen oder Überschuss mit schädlichen Stoffen geben.
Es lassen sich in Haaren sowohl Mengen- als auch Spurenelemente bestimmen. Haare bestehen zu mehr als 90 % aus Mengenelementen. Da der Mengenelementgehalt sehr stark von äußeren und körperlichen Einflüssen abhängig ist, hat die Haaranalyse mehr Bedeutung für die Analytik von Spurenelementen als beispielsweise eine Blutanalyse.

Zu den Vorteilen der Haaranalyse gehören:

  • Problemlose Probenentnahme, auch durch den Landwirt möglich;

  • Gute Haltbarkeit des Probenmaterials, Haare sind kaum verderblich;

  • Kostengünstig auch bei Bestandsuntersuchungen;

  • Gutes Widerspiegeln der Versorgungslage. Bei Zinkmangel sind zum Beispiel lediglich im Haar (und der Rippe) deutlich verminderte Zinkkonzentrationen nachweisbar. Bei anderen Spurenelementen (Mangan, Kupfer, Molybdän, Selen, Jod, Cadmium, Arsen, Nickel) gehört Haar ebenfalls zu den Organen, die den Versorgungsstatus empfindlich widerspiegeln.

Soll die Haaranalyse korrekte Resultate liefern, sind verschiedene Einflüsse zu berücksichtigen. Zu diesen Faktoren gehören Haarart und Haarfarbe, das Geschlecht, die Tierart, sowie die Schnitttiefe. So ist zum Beispiel der Mangangehalt im Deckhaar niedriger als im Schopf- oder Schwanzhaar, pigmentiertes Haar hat einen höheren Mangangehalt als weißes Haar. Bei Zink haben weibliche Tiere einen höheren Gehalt in den Haaren als männliche.
In absterbendem Haar, vor dem Haarwechsel, erhöht sich die Konzentration an Spurenelementen. Deshalb eignen sich die Haare während des Haarwechsels im März und April meist nur bedingt für die Haaranalyse.
Eine Altersabhängigkeit besteht insofern, als das zum Beispiel Kälber mit sehr niedrigem Mangangehalt im Haar geboren werden und in Abhängigkeit von der Manganaufnahme auch die Konzentration im Haar ansteigt. Genetische Unterschiede sind gering ausgeprägt. Veränderungen der Mangankonzentration während der Trächtigkeit und Laktation sind ebenfalls geringfügig. Der Spurenelementgehalt zwischen Haarspitze und Haarbasis unterscheidet sich ebenfalls gering. Jedoch sollte das Haar für Analysen möglichst nahe an der Haut abgeschnitten werden.

Problemlösung durch den Haartest:
Gerade bei Bestandsproblemen wie Fruchtbarkeitsstörungen, Klauenproblemen, Kälberkrankheiten, Geburtsprobleme, Stoffwechselstörungen oder Zellgehaltsproblemen ist der Nutzen einer Haaranalyse und die Überprüfung wichtiger Mineralstoffe und Spurenelemente aber auch Schwermetallbelastungen sehr hilfreich. Vorherrschende Ungleichgewichte oder Belastungen können durch eine Haar-Mineralanalyse verbessert oder behoben werden.
Anhand der Auswertung kann ein optimiertes, individuelles Mineralfutter für den Betrieb hergestellt oder ausgewählt werden. Idealerweise sollte die Analyse jährlich wiederholt werden, bzw. bei veränderten Umständen durchgeführt werden.
Wissenswert ist, dass auch hier die angegebene Referenzwerte variieren und häufig nur in Kombination mit allen Werten ausgelesen und kommentiert werden können. Daher haben wir aus bereits 5000 durchgeführten Haaranalysen eigene Referenzen erstellt. Zudem sind die vom Labor vorgegebenen Grenzwerte veraltet und nicht mehr zeitgemäß.

Wichtige Kriterien für die Probennahme von Rinderhaaren:
Geschlecht: Nur von geringer Bedeutung
Alter: 30 Monate und älter
Laktation: Zweite bis sechste, oder Rückfrage bei anderen Tieren.
Tiere: Bei bestehenden Problemen, Problemtiere auswählen
Haarart: Pigmentiertes Deckhaar zwischen Schulter und Buggelenk Schnitttiefe: 0,1 – 1 mm, eine Schere und keine Scheermaschine verwenden.
Menge: etwa die Menge wie ein Hühnerei, Mischprobe aus 10% des Bestandes
Jahreszeit: Mai bis Februar, nicht während des Haarwechsels
Kosten: 220 CHF/190 Euro für eine Kommentierte Auswertung und Empfehlung Mineralstoffversorgung und Mischung.
Dauer: 3-4 Wochen nach Einsendung ist mit einem Befund zu rechnen.

Die beste Stelle für die Haarentnahme ist das seitliche Schulterblatt.

Die beste Stelle für die Haarentnahme ist das seitliche Schulterblatt.

Mineralstoffe

Mineralstoffe sind keine Wundermittel sondern anorganische Stoffe, von denen der Körper eine bestimmte Menge benötigt. Ein Teil davon ist in den Futtermitteln ent- halten, der Rest muss in Form von Mineralstoffmischungen verabreicht werden. Die wichtigsten Mineralstoffe und zugleich die problematischsten sind Calcium, Phosphor, Natrium und Magnesium. Dazu kommen die Spurenelemente Zink, Kupfer und Mangan. Bei der Igari-Haarmineralanalyse werden unter anderem folgende Parameter untersucht:

Calcium (Ca):

Calzium ist als Bestandteil von Kalk in Böden und Gesteinen in der Natur weit ver-breitet. Milchprodukte enthalten viel Calzium. Sogenannte Phytinsäure bindet Calzium und vermindert die Aufnahme durch die Darmschleimhaut. Phytinsäure ist vor allem in Getreide vorhanden. Zu viel Getreide, vor allem Wintergerste stört die Kalziumverwertung. Calcium vermindert die Verwertung von Zink und Kupfer.
Überschuss fördert Phosphormangel. Calcium ist der Gegenspieler (Antagonist) von Phosphor.
Mangel:
Gebärparese, Festliegen im geburtsnahen Zeitraum, Klauenentzündungen, geringe Futteraufnahme, häufiges Liegen, schwankender Gang, steifer Gang, Lahmheit, schmerzende Gelenke, Muskelzittern, teilnahmslos, hohe Herzfrequenz, Wachstumsstörungen, Beinverkrümmung, Rachitis, Durchfall, Frühaborte, stille Brunst, Scheiden- und Gebärmutterentzündungen. Abnormer Appetit auf Kot, Erde, Urin, Gülle. Calcium-Mangel fördert Phosphorüberschuss.
Überschuss:
Senkung der Futteraufnahme, Gebärparese, Endometritis, ovarielle Dysfunktion, Verdaulichkeit von Fetten wird herabgesetzt, was die Verwertung von Zink beeinträchtigt.

Magnesium (Mg):

Magnesium ist neben Calzium das zweitwichtigste Mittel innerhalb der Zellen. Eine gute Magnesium-Versorgung ist wichtig für die Versorgung des Herzens und der Muskulatur. Magnesium wirkt auch beruhigend auf den Rinderbestand.
Ganzjahressilagefütterung führt bei der Kuh zum Magnesiumverlust. Der Magnesiumgehalt lässt sich besser über eine Blutuntersuchung bestimmen.
Mangel:
Inappetenz, Rückgang der Futteraufnahme, Schwächung der Hinterextremitäten, unsicherer Gang, Nervosität, Krämpfe, Brunstlosigkeit, verlängerte Zwischenkalbezeit, Teilnahmslosigkeit, starrer Blick, Absonderung von der Herde, Festliegen, Wehen- schwäche, Weide- oder Stalltetanie, geringe Infektabwehr der Neugeborenen, nervöse, hektische Rinder, unruhige Kälber.
Überschuss:
Nierenschäden, Diarrhoe.

Essentielle Spurenelemente:

Spurenelemente sind Mineralien, die in sehr kleinen Mengen im Organismus benötigt werden. Die Versorgung des Organismus mit diesen Stoffen muss über die Ernährung gesichert sein. In Untersuchungen wurde festgestellt, dass Rinder die mit intensiv genutzten und gedüngten Flächen gefüttert werden, einen Mangel an wichtigen Spurenelementen aufweisen. Intensive landwirtschaftliche Nutzung führt offensichtlich zu einer Verarmung der Böden an Spurenelementen. Im Stoffwechsel sind sie unentbehrlich für die Bildung von Blutfarbstoffen und Enzymen, Ablagerungen in Knochen und Zähnen, Regulierung des Flüssigkeitshaushaltes und Reizübertragung in Nerven und Muskelgewebe.

Kalium (K):

Rinder besitzen keinen hormonellen Mechanismus, um ihren Kaliumgehalt im Blut zu regeln. Daher sind sie auf eine ausreichende orale Versorgung mit dem Mengenelement angewiesen. Kalium ist Bestandteil von Enzymen und mitverantwortlich für die Muskel- und Nervenfunktion. Der Kaliumbedarf pro Tag richtet sich nach der Milchleistung des Tieres.
Der Erhaltungsbedarf liegt bei rund 93g/Tag, eine Kuh die 40 Liter Milch gibt, benötigt pro Tag etwa 230g. In der Regel wird dieser Bedarf durch eine ausgewogene Fütterung gedeckt. Bei vorwiegender Düngung der Futterflächen mit Gülle kommt es in der Regel sogar eher zu einer Überversorgung. Eine zusätzliche Verabreichung von Kalium (erhältlich als Kaliumchlorid) ist daher nur bei erkrankten Tieren mit herabgesetzter Futteraufnahme notwendig.
Mangel:
Bei Kühen mit Stoffwechselstörungen und damit einhergehender Fressunlust kann der Kaliumgehalt im Blut so stark abfallen, dass die Tiere zum Festliegen kommen. Gerade bei Kühen, die im Laufe der Laktation wiederholt Festliegen und unter Stoffwechselstörung leiden, sollte eine Bestimmung des Kaliumspiegels im Blut vorgenommen werden.
Überschuss:
Ein Kalium-Überschuss bewirkt eine verminderte Verdaulichkeit der organischen Substanz und der Rohfaser. Auch wird es mit einer reduzierten Absorption von Magnesium und gestörten ß-Carotin – Absorption in Verbindung gebracht. Kalium-Überschuss vermindert die Aufnahme von Magnesium. Es führ zu vermehrtem Festliegen und schlechter Fruchtbarkeit. Häufig sind aber auch Klauenproblem im Bereich des Klauensaumes ein Anzeichen für einen Kalium-Überbelastung. Kaliumüberschüsse kommen durch übermäßige Düngung/Güllung in das Futter.

Kupfer (Cu):

Kupfer ist Bestandteil wichtiger Enzyme des Körpers und erfüllt viele wichtige Aufgaben. Kupfer wird für die Herstellung des Blutfarbstoffes Hämoglobin benötigt. Bei Kontakten mit kupferhaltigen Leitungen und Behältnissen im technologischen Prozess kann es zu einer Kupferanreicherung bei Biertrebern, Trester, Schlempe und nassem Kleberfutter kommen. Kupfermangel entsteht seltener durch mangelhafte Zufuhr, sondern meist als Folge einer Verwertungsstörung. Schwermetalle wie Cadmium stören die Kupferverwertung. Auch eine hohe Belastung mit Mangan, Zink oder Eisen stört die Kupferverwertung. Kupfermangel kann durch eine Molybdän- Überversorgung entstehen. Kupfer ist der Gegenspieler (Antagonist) von Mangan.
Mangel:
Steifer Gang, chronische Knochenauftreibungen. Zungenschlagen, gegenseitiges Belecken und Abrupfen von Haaren, Fressen von Mist oder Erde, stumpfes und raues Haarkleid, Ausbleichung des Haarpigments um die Augen (Kupferbrille), vermindertes Koordinationsvermögen der Hinterhand, Nachgeburtsverhalten, Senkung der Milchleistung, sogenannte Hyänenkrankheit, Durchfall.
Überschuss:
Blutungen im Verdauungskanal, Hämaturie (Blutharnen).

Eisen (Fe):

Eisen ist zu etwa 70 % als Baustein in Hämoglobin gebunden. Es speichert den Sauerstoff in den Muskeln. Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln wird schlechter durch die Darmschleimhaut aufgenommen. Sehr viel gut verwertbares Eisen findet man in Hafer. Eisenmangel muss durch Zufütterung oder Injektion ausgeglichen werden. Viel häufiger findet man jedoch Eisenüberschuss aufgrund sehr eisenhaltigen Wassers. Das führt meist zu einer Störung in der Mineralstoff- und Spurenelement-Verwertung.
Mangel:
Blutarmut, Appetitverlust, verringertes Wachstum, Anämie im Milchalter, Abfall des Blutgerinnungsstatus, Inappetenz, Senkung der Futteraufnahme, Fortpflanzungsstörungen, Verringerung des Wachstums, erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und Intoxikationen, Entwicklungsverzögerung.
Symptome wie bei Kobaltmangel. Eine Blutuntersuchung oder eine Haaranalyse geben Aufschluss und zeigen bei Eisenmangel einen deutlich verminderten Hämoglobingehalt.
Überschuss:
Senkung der Futteraufnahme, Rachitis.
Eisen verhindert die Aufnahme von Mangan.

Mangan (Mn):

Mangan ist nach Eisen das häufigste Metall in der Erdkruste. Mangan ist für viele Stoffwechselvorgänge wichtig. Hohe Gewebewerte sind meist durch Umweltbelastungen verursacht. Tiere, die in der Nähe einer manganverarbeitenden Industrie (Batterieverarbeitung) weiden, sind besonders gefährdet.
Eisenbelastetes Trinkwasser kann ebenso Ursache für Störungen bei der Manganverwertung sein. Eisen vermindert die Aufnahme von Mangan. Ein Manganüberschuss stört die Eisen- und Kupferwerte.
Bei Calcium-Mangel erhöht sich die Manganaufnahme im Gewebe. Mangan steigert die Verwertbarkeit von Vitamin B1.
Mangel:
Vermehrt Geburten männlicher Kälber, Vorbiegigkeit in den Karpalgelenken, Gelenkauftreibungen bei Jungrindern und Hochleistungstieren. Krämpfigkeit. Fruchtbarkeitsstörungen. Stille Brunst, geringe Brunstintensität, Störungen der Spermabildung, Frühaborte, lebensschwache Neugeborene. Vermindertes Wachstum, hohe Kälberverluste, Zungenschlagen, Lähmungen, steile Fesseln, sogenannte Hyänenkrankheit, schlechte Futter- aufnahme. Leberstoffwechsel-Störungen. Kopfschmerzen (Kuh drückt Kopf gegen Wand, Futterbarren oder andere Kühe).
Überschuss:
Blutarmut, neurologische- und Verhaltensstörungen.

Molybdän (Mo):

Pflanzen benötigen zum Wachsen Molybdän. Bei Mensch und Tier wird es zur Her- stellung der Harnsäure benötigt. Molybdän hat scheinbar auch einen wichtigen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Ein Mangel muss durch Molybdänfütterung ausgeglichen werden.
Mangel:
Durchfälle, Wachstumsstörungen, Knochenerkrankungen, Läh- mungen, Anämie, gestörte Pansenfermentation, Zahnverfall, Harnsäurestoffwechsel, Schleimhautstörungen (Fruchtbarkeit). Gehäuft Eierstockzysten, Fruchtbarkeitsstörungen.
Überschuss:
Eine Molybdän Überversorgung induziert Kupfermangel.

Selen (S):

Selen dient im Zellstoffwechsel zusammen mit den Vitaminen E, A und C in einem Enzymsystem zum Abfangen von Schadstoffen. Da die Vitamine E, A und C in diesem System einen Mangel von Selen in Teilen ausgleichen können, muss nicht jede messbare Selenunterversorgung zu einem sichtbaren Krankheitsbild führen. Wiederum führt eine erhöhte Zufuhr von Kupfer, Cadmium, Zink, Blei, Quecksilber und mehrfach ungesättigten Fettsäuren zu einem erhöhten Selenbedarf. Auswirkungen findet man bei der Immunabwehr, an der Schilddrüse, an den roten Blutkörperchen, am Euter, an der Gebärmutter, der Lunge und an der Skelett – und Herzmuskulatur. Im Kuhstall können eine Vielzahl von Krankheitsbilder einen Selenmangel im Hintergrund haben. So wie eine erhöhte Mastitisanfälligkeit, Nachgeburtsverhalten, Aborte, Phlegmone und Nekrosen über den Sprunggelenken insbesondere bei Erstkalbinnen nach dem Abkalben. Der Selengehalt der Böden in verschiedenen Regionen und Ländern unterscheidet sich wesentlich. Viele Pflanzen gleichen den unterschiedlichen Selengehalt des Bodens interessanterweise aus und enthalten relativ konstante Selenmengen. Selen ist für den Zellschutz als Radikalfänger wichtig. Selen scheint eine Schutzfunktion gegen Schwermetallbelastungen innezuhaben. Selen und Zink schleusen Schwermetalle aus dem Körper oder machen sie durch Bindung unschädlich. Dieses Binden von Schwermetallen ist gerade im landwirtschaftlichen Kreislauf extrem wichtig.
Mangel:
Wachstumsstörungen, Kälberdurchfall, Atemwegserkrankungen, allgemeine Lebensschwäche, gestörter Schluckreflex, Euterprobleme, Fruchtbarkeitsstörungen, Herzmuskel-Veränderung, Bein-Schwäche- syndrom, Nachgeburtsverhalten, Muskelschwäche, Trinkschwäche bei Kälbern, Zunge hängt aus dem Maul, Schluckbeschwerden, Leberschaden.
Überschuss:
Senkung der Futteraufnahme, Fruchtbarkeitsstörungen, Klauenrehe, Bewegungsstörungen., „Ausschuhen“.

Zink (Zn):

Zink kommt sehr häufig in Weizen und Bierhefe vor. Ein Übermaß an anderen Mineralstoffen, Metallen oder Spurenelementen in der Nahrung kann die Zinkaufnahme vermindern. Zink ist vor allem an der Regulierung und Steuerung von Wachstumsprozessen beteiligt. Zink ist aber auch wichtig für den Hormonhaushalt und die Reifung des Immunsystems. Vitamin B6 unterstützt die Zinkverwertung. Selen und Zink schleusen Schwermetalle aus dem Körper, oder machen sie durch Bindung unschädlich. Dieses Binden von Schwermetallen ist gerade im landwirtschaftlichen Kreislauf extrem wichtig.
Mangel:
Fruchtbarkeitsstörungen, stille Brunst, Störungen der embryonalen Entwicklung, Frühaborte, mumifizierte Frucht, Wehen- schwäche, Nachgeburtsverhalten, Sprunggelenkentzündungen, Flechtenanfälligkeit, Inappetenz, Veränderungen von Haut, Haaren und der Hörner, Haarausfall, Immunschwäche, Euterentzündungen, Klauenerkrankungen, weiche Klauen.
Überschuss:
Wachstumsstörungen, Senkung der Futteraufnahme, Magengeschwüre.

Jod (J):

Jod wird im Organismus als Baustein für das Schilddrüsenhormon benötigt. Jodid schützt den Körper vor radioaktiver Strahlung. Seit etwa 1990 wird Jod in fast allen Lebensmitteln zugesetzt. In Europa geht man davon aus, dass jeder zehnte Mensch eine Jodüberempfindlichkeit hat. Es können Allergien, Asthma, Depressionen, Unfruchtbarkeit, Nervenleiden und andere Probleme entstehen.
Kühe sind häufig mit Jod überbelastet was sich neben anderen Ursachen durch die vermehrte Bildung von Eierstockzysten zeigen kann. Kühe bekommen Jod durch jodiertes Salz (Viehsalz, Siedesalz) und über das Mineralfutter zugesetzt.
Mangel:
Bei der Kuh sind keine Mangelerscheinungen bekannt, Stiere brauchen Jod um gutes Sperma zu produzieren.
Überschuss:
Fruchtbarkeitsstörungen, Eierstockzysten, unregelmäßige und stille Brunst. Verschlechterung der Konzeptionsrate, Aborte, Totgeburten, Verlängerung der Tragezeit, Entwicklungsstörungen der Neugeborenen, Nervosität, Hautentzündungen, Wachstums- störungen, schlechtes Fressverhalten, Neugeborenen-Durchfall, Allergien, Depressionen, Asthma.

Toxische Elemente

Blei:

Bleivorkommen in Akkufabriken, Bleifarben, Bleiglasuren, Bleistablisatoren in Kunststoffen, Kabelummantelungen, Formgussteile, Abgase. Bleivergiftungen im Stall entstehen meist durch lecken an alten Bleianstrichen, aber auch über die Fütterung (Bleischrot).
Symptome: Anämie, Inappetenz, Wachstumsdepressionen, Bewegungsstörungen, Erregung, Kolik, nervöse Symptome, vermindertes Wachstum, Lähmungserscheinungen, Blutbildung gestört, Darmverschluss.

Aluminium:

Infolge der umweltbedingten Säurebelastung durch Überdüngung und sauren Regen werden aus den Böden große Mengen von Aluminium-Verbindungen herausgelöst. Diese reichern sich in Pflanzen an und gelangen so in die Nahrungskette.
Silage enthält zudem meist 2-3 mal mehr Aluminium als Heu. Hohe Aluminiumwerte erhöhen die Kalzium- und Phosphorausscheidung, was wiederum zur Mangelsituation führen kann. Wiesenklee oder Rotklee kann aus dem Boden vermehrt Schwermetalle aufnehmen. Diese Schwermetalle können Tiere belasten. Ein großer Kleebestand liefert zwar gutes Eiweiß, aber es können sich auch daraus Vergiftungssymptome und Krankheiten entwickeln.
Das einzige harmlose Aluminium ist das kolloidale Aluminiumsilikat, das im Kaolin und Bentonit enthalten ist. Bentonit ist natürliche Tonerde mit einem wasserhaltigen Aluminiumsilikat natürlicher Herkunft. Speziell durch die Verfütterung von Naturzeolith konnte nachweislich erhöhter Aluminiumgehalt im Haar der Kühe gesenkt werden.
Symptome: Andauernde Aluminiumbelastung, auch in kleinen Mengen, kann eine neurotoxische Veränderung der Gehirnnervenzellen verursachen. Es können motorische Störungen, Lähmungen, Krämpfe, Stoffwechselstörungen auftreten. Des Weiteren führt eine Aluminiumbelastung zu Appetit- und Energieverlust sowie zu Magen- und Darmreizungen.

IGARI® Praxisgemeinschaft für ganzheitliche Nutztiergesundheit,
Achenweg 30, D- 83236 Übersee
Email: gnadl-lamminger@t-online.de
www.nutztierhomoeopathie.de

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2020-11-06T11:55:48+00:00