Parasitendruck bei Weidehaltung

Parasitendruck bei Weidehaltung

Weidehaltung ist die schönste, effektivste und natürlichste Form der Grünlandnutzung die es gibt. Rinder auf der Weide sind gesünder, das Wohlbefinden steigt und zusätzlich ist der Erhalt des Grünlandes ein sehr wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Aber wie es eben mit allen Dingen ist, wo es Vorteile gibt, tauchen auch immer Nachteile auf. Der Parasitendruck erhöht sich mit jedem weiter Jahr der Beweidung teilweise massiv. Vor großen Problemen stehen hier besonders Betriebe mit Rindern in Kurzrasenweide-Haltung. Die Betriebsleiter sind gefordert, schädigenden Endoparasitenbefall an ihren Tieren zu erkennen und dementsprechend darauf zu reagieren. Doch sind gerade chemische Parasitenmittel in vielen Betrieben ein eher unbeliebtes Therapeutikum. Gerade Biobetriebe können die jährlich mehrmalige Verwendung dieser Präparate nicht mit dem biologischem Grundgedanken vereinbaren.

Zusätzlich ist das wichtige Dungabbauende Prinzip der Kurzrasenweide durch die Bodenlebewesen mit der Verwendung chemischer Parasitenmittel extrem gefährdet. Universitätswissenschaftler aus Lüneburg haben bewiesen, dass der Dunghaufen sich auf Wiesen, durch die Anwendung von chemischen Parasitenmitteln, nicht mehr abbaut. Es wurde festgestellt, dass bei der Verwendung von diversen Parasitenmitteln bis zu 90% der wichtigen Bodenlebewesen abgetötet wurden. Zusätzlich als problematisch einzustufen ist dass die Halbwertszeit der eingesetzten Präparate teilweise über 15 Jahren liegt.

Auch die sogenannten „Altstoffe“, zu denen gerade die Antiparasitikas gehören, sind eine tickende Zeitbombe. 2003 wurden beispielsweise in Deutschland 50 Tonnen Antiparasitika verbraucht. Siehe hierzu auch die Schriftenreihe des „Umweltbundesamtes zur Risiko-bewertung zu Tierarzneimittel“. „Altstoffe“, bedeutet das die Mehrzahl der vermarkteten Tierarzneimittel vor 1998 zugelassen wurde und somit keiner geregelten ökotoxikologischen Prüfung unterlag, d. h. diese wurden seit 1998 nicht mehr auf deren toxikologischen Auswirkungen und den Eintrag in Boden und Grundwasser geprüft.

Ebenfalls darf die Wirkungsweise der Anwendung von Aufgussmitteln und die Fragestellung des Verbrauchers hierzu nicht unterschätzt werden. Der Verbraucher, speziell der Konsument von Bioprodukten, geht davon aus dass biologisch wirtschaftende Betriebe absolut giftfrei und ökologisch arbeiten. Das bekannt werden von der „erlaubten“ Verwendung von chemischen Parasitenmitteln in Biobetrieben würde mit Sicherheit einen starken Einbruch des Konsumverhaltens für Bioprodukte bedeuten. Bereits durch die Tatsache das auch Biobetriebe von der Blauzungenpflichtimpfung betroffen waren, machte den Verbraucher wesentlich sensibler für einen „doch nicht so großen Unterschied“ zur konventionellen Wirtschaftsweise.

Eine zusätzliche Problematik der chemischen Parasitenmittel ist die zunehmende Resistenzbildung. Dieses Problem ist für viele Betriebe in Ländern wie beispielsweise Neuseeland, welche seit langem schon Weidehaltung praktizieren, Existenz bedrohend. Sind die Parasiten erst einmal resistent, gibt es keine Umkehr.

Es gibt einige bekannte natürliche Produkte, die eine sehr gute Parasitenreduzierende Wirkung haben. Diese Präparate werden schon seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. Kamala gehört zu den bekanntesten. Vor 1996 galt Kamala als „Biologisches Wurmpulver für Mensch und Tier“-ohne Rückstände. Die Firmen Schaette, Schopf und Terrapharm waren nur einige, die dieses bewährte Futtermittel im Verkauf hatten.

Nach der Arzneimittelgesetz- Novelle 1996 wurde Kamala die Verwendung als Wurmmittel beim Lebensmittelliefernden Tier aus rechtlichen und Pharmaindustriellen Hintergründen nicht gewährt. Es gab aber hierzu keine offizielle Studie, die eine Bedenklichkeit dieses Mittels darstellen konnte. Das Mittel wurde daraufhin nur noch als Bio-Färbemittel für Seide deklariert. Da es hierfür ebenfalls Verwendung findet.

Viele Betriebe verwendeten dieses Präparat weiter, da die positive Wirkung ja schon seit langem bekannt war und in vielen Betrieben schon seit Jahrzehnten eingesetzt wurde. Kamala wird in letzter Zeit sehr häufig als giftiges Präparat bezeichnet. Es ist hier ganz eindeutig die Dosis, die eine Wirkung gegen Parasiten oder eine unangenehme abführende Wirkung für das Wirtstier oder auch den Menschen bedeutet. Wo nicht auch eine Giftigkeit ist, wird es auch keine Wirkung geben. Allein die Tatsache, dass Kamala auch von vielen Menschen eingenommen wird, kann von einer Gefährlichkeit oder Giftigkeit bei der Anwendung dieses Präparates keine Rede sein. Auch ein Esslöffel Salz beispielsweise, kann zum Tode führen, während eine Briese aufs Frühstücksei äußerst schmackhaft ist.

Die Asiatische Pflanze Kamala auch Mellelotus genannt, hat mehrere verwendbare Pflanzenteile. Für das Parasitenwirksame Fruchthaarpulver wird das äußere Haar der Samenkapsel verwendet. In der Samenkapsel befindet sich das sogenannte Rottlerin das nicht verwendet wird.

Kamala hat eine eindeutige Wirkung auf Parasiten wie Nematoden, Strongyliden, Egel, Eimeria, Oozysten und Bandwürmer. Es lähmt die Parasiten im Larvenstadium, dadurch werden die Larven ausgeschieden und sterben dann außerhalb des Wirtstieres ab. Kamala wirkt nicht bei Dasselfliegen. Die Wirksamkeit von Kamala hat sich in vielen Weidebetrieben bewährt, es gilt als beliebtes Präparat, das nachhaltig die Tiergesundheit fördert.

In keinem der vorhandenen Kurzrasenweide- Projekt- Infos findet man einen Hinweis auf diese Thematik des steigenden Problems durch Parasitendruck. Einzig auf der Info-Seite zur Kurzrasenweide eines Bio-Verbandes wird dieses Problem klar dargestellt. Man findet sonst nichts, auch in keinem der Infoblätter der führenden Arbeitskreisforen. Es wäre gerade hier von entscheidender Wichtigkeit für Alternativen offen zu sein. Es muss hier eine Zusammenarbeit mit den vielfach bewährten Alternativen angestrebt werden. Ob der Weidebetrieb mit chemischen Parasitenmitteln oder mit Alternativen entwurmt, der Erfolg ist immer abhängig von der korrekten Dosis und der Häufigkeit der Anwendung der Präparate.

Wenn das Problem des Parasitendruckes bei der Kurzrasenweide nicht natürlich gelöst werden kann, wird die Kurzrasenweide konsequenterweise besonders für Biobetriebe nicht von Nutzen sein. Denn ein System, bei dem sich der natürliche, biologische Kreislauf nicht schließen läßt, kann auf Dauer nicht zufriedenstellend funktionieren.

Birgit Gnadl
Tierheilpraktikerin und Bäuerin

2018-08-08T11:53:22+00:00