Parasitendruck bei Weidehaltung

Parasitendruck bei Weidehaltung

Magen-Darm-Wurmkrankheiten
Entwurmung von Milchvieh konventionell oder naturheilkundlich?

Praxisgemeinschaft IGARI®

Infektionen mit Parasiten gehören bei Rindern zu den Faktoren, welche die Bestandsgesundheit und Wirtschaftlichkeit des Betriebes nachhaltig beeinträchtigen können.
Ein Parasit ist ein Lebewesen, das sich vorübergehend oder dauernd in oder an einem anderen Tier aufhält. Es lebt meist auf Kosten des Wirtstieres und schädigt dieses dadurch. Parasiten werden auch als Schmarotzer bezeichnet, da sie sich von lebendem oder aufgelöstem Gewebe, von Körperflüssigkeiten oder von der aufgenommenen Nahrung des Wirtes ernähren.

Parasitenarten

Man unterscheidet zwischen Endoparasiten (Parasiten, die in ihren Wirten leben) und Ektoparasiten (Parasiten, die auf der Oberfläche ihrer Wirte leben).
Zu den bedeutendsten Endoparasiten zählen die Magen-Darmwürmer, Leberegel und Lungenwürmer.
Ektoparasiten sind Insekten wie Flöhe, Läuse, Stechfliegen, Mücken, Gnitzen, aber auch Spinnentiere wie Milben oder Zecken.
Hat ein Tier Ektoparasiten, liegt auch meist ein Befall mit Endoparasiten vor.
Viele Parasiten müssen im Verlauf ihrer Entwicklung den Wirt wechseln. Als Endwirt bezeichnet man den Wirt, in dem der Parasit zur Geschlechtsreife gelangt. Im Zwischenwirt findet dagegen nur eine ungeschlechtliche Vermehrung oder Reifung statt. Zur vollständigen Entwicklung muss der Parasit wieder in den Endwirt gelangen.

Haltungsform

Weidehaltung stärkt das Immunsystem und somit auch die Abwehr gegen Parasiten. Aber gerade die Weidehaltung ist natürlich ein großer Faktor für die Wahrscheinlichkeit eines Parasitenbefalls. Tiere in Standweide oder Kurzrasenweide sind mehr gefährdet als Tiere in Portions- oder Umtriebsweidehaltung.
Durch Mischbeweidung beispielsweise mit Pferden, lässt der Parasitendruck mindestens um die Hälfte nach. Mischbeweidung mit Schafen ist nicht empfehlenswert.
Rinder in Ganzjahresstallhaltung können ebenso an Endoparasiten erkranken, da sich Parasitenlarven ebenso in Heu oder Grassilage von belasteten Flächen halten können. Im Heu ist der große Leberegel beispielsweise 6 Monate infektiös, in Silage bis zu 30 Tagen.
Bevorzugt betroffen vom Wurmbefall sind ältere Kälber (ab einem Alter von circa 3 Monaten) und Jungrinder während der 1. Weideperiode. Parasiten überwintern besonders leicht, wenn sie sich in dieser Zeit noch im Kothaufen befinden.
Ältere Rinder können ebenso mit Magen-Darm-Würmer infiziert werden. Be-sonders kritisch muss bei sogenannter Standweide der Parasitenbefall kontrolliert werden. Aber auch Tiere in reiner Stallhaltung können Parasiten haben.

Erster Austrieb

Beim ersten Austrieb von Kälbern oder Jungrindern wird meistens eine fest eingezäunte Fläche oder ein sog. Paddock genutzt, um die Tiere leichter an den Weidezaun zu gewöhnen. Diese Flächen werden meistens selten gemäht, was die Parasitenbelastung auf diesen Flächen explodieren lässt. Es wäre sehr wichtig und ratsam erst-sömmerige Kälber auf solchen Flächen nicht länger als 1 Woche zu belassen, sondern frühzeitig auf eine saubere Fläche oder für 10-14 Tage wieder zurück in den Stall zu bringen. Man unterbricht damit den Entwicklungszyklus vieler Parasiten.

Krankheitserscheinungen:

Durchfall unterschiedlicher Intensität, mangelhafte Entwicklung, Blutarmut, Austrocknung, langes, struppiges und glanzloses Haarkleid, Haarausfall, Rötungen (symptomatisch wie Sonnenbrand), Hautverdickungen, Krustenbildung sowie unterschiedlich starke Abmagerung oder oft unerklärliche Zellgehaltsprobleme bei Kühen sein.
Ein Leberegelbefall kann zur Überempfindlichkeit der Haut gegenüber Sonneneinstrahlung führen. Dies kann Hautentzündungen sowie absterben von Hautbezirken zur Folge haben.
Diagnose:
Mit Kotuntersuchungen lässt sich der Parasitenbefall sehr gut analysieren. Es können der Befall mit Magen-, Darm- und Lungenwürmern, aber auch der mit Kokzidien und Leberegeln nachgewiesen werden.
Die Ergebnisse der Untersuchungen von Kotproben helfen im positiven Fall, unklare klinische Symptome, wie meist vorliegend, diagnostisch abzuklären.
Einzel-Kotproben oder aber auch Sammelproben können auch vom Tierbesitzer selbst entnommen werden. Direkt vom Kothaufen, wenn zuzuordnen ist, oder aber aus dem Darm. Hierfür eigenen sich auch gleich die Gummi-Handschuhe als Transportbehälter. Kotuntersuchungen werden in Tierärztlichen Praxen oder auch beispielsweise beim TGD gemacht. Die Kosten liegen etwa zwischen 8-15 Euro.
Behandlung:
Nach Diagnose der Erreger sollte gezielt behandelt werden. Der Behandlungserfolg sollte durch eine nachfolgende Kotuntersuchung überprüft werden um Resistenzen zu erkennen und sinnlose und kostspielige Behandlungen zu vermeiden.
Veterinärmedizinisch werden bestimmte Antiparasitika eingesetzt. Dies ist bei massivem Parasitenbefall sicherlich sinnvoll. Die Parasiten werden durch Antiparasitika abgetötet. Sind solche chemotherapeutischen Mittel erforderlich, sollten sie keinesfalls unterdosiert werden.
Es gilt als erwiesen dass Antiparasitika durch das einbringen in den Landwirtschaflichen Kreislauf das Bodenleben des Betriebes massiv schädigen können. Ebenso ist auch der Organismus und das Immunsystemes durch Antiparasitika meist stark belastet.
Homöopathische Behandlungen gegen Parasitenbefall funktionieren nur bedingt. Durch Homöopathie wird die Abwehr des Wirtes gestärkt. Es wird das Milieu in dem der Parasit lebt verändert.
Naturheilkundliche Präparate haben im Gegensatz zur Homöopathie teilweise eine ganz hervorragende Wirkung. Hier sei Kamala genannt.

• KAMALA-Fruchthaarpulver → zur Entwurmung ohne Rückstände:

Dosierungsempfehlungen:

  • 20-25g Kamala für eine 600kg Kuh / Kalbin / Pferd
  • 10g Kamala für ein Kalb mit ca. 100-400 kg
  • 10g Kamala für 10 Hühner
  • 10g Kamala für ein ausgewachsenes Schaf / Ziege /Alpaka
  • 1 Messerspitze für eine Katze
  • 5g Kamala für einen Hund mit ca. 10 kg

Kamala bei Bedarf zur Entwurmung als einmalige Gabe, kann aber auch bei stärkerem Parasitenbefall mehrmals in einwöchigem Abstand wiederholt werden.
Die beste Wirkung erzielt man durch eine Verabreichung bei abnehmendem Mond.
Die Kosten liegen etwa bei 1-3 Euro/Tier. Je nach Parasitenart welche behandelt werden muss.
Produktempfehlung: Qualitativ hochwertiges Kamala ist erhältlich bei: www.naturstall-shop.de

Spezielle Parasiten benötigen individuelle Behandlungen:

Leberegel:

Zwingend sofort bei Aufstallung (Oktober/November) Kamala verabreichen, 4 Wochen lang 1 mal wöchentlich eine Gabe.
Bemerkung: Kalkstickstoff-Düngung senkt die Leberegel-Gefahr auf Parasitenbelasteten Flächen, zudem sollte man auf Leberegelbelasteten Flächen besser Silage als Heu gewinnen. In der Silage gehen Leberegel-Eier nach 6 Wochen kaputt.

Lungenwürmer/Bandwürmer:

Bei akutem Befall Kamala 1 mal täglich, 5 Tage lang verabreichen.Ansonsten verabreichen wie bei Leberegel.

Kokkzidien:

(ältere Kälber) 5 Tage hintereinander jeweils 10g Kamala verabreichen. Kann unter Rühren auch in der Milch verabreicht werden.

Kryptosporidien:

Kleine Kälber sind mit Kamala meist überfordert, hier muss bereits das Muttertier 1 Woche vor der Kalbung mit Kamala entwurmt werden.
Verabreichung: Kamala wird nicht gerne gefressen, man muss es mit schmackhaften Futtermitteln vermischen (Salz, Mineralfutter, Kraftfutter…). Diese Mischung wird einfach über das Futter auf dem Futtertisch gestreut. Zur Kontrollierten Verabreichung kann es auch in einer Spritze mit Flüssigkeit direkt verabreicht werden. Auch Gelantinekapseln sind erhältlich in verschiedenen Größen und dienen hier ähnlich wie Boli zur Eingabe.

Nicht erfolgreich ist eine dauerhaft vernachlässigte Parasitenbehandlungen. Entscheidend ist auch das exakte Einhalten von Dosierungen. Nicht verwenden sollte man qualitativ schlechte oder abgelaufene Produkte.
Massiver Parasitenbefall erfordert eine exakte Diagnose und konventionelle Behandlung durch den Tierarzt!

An die Dosierung von Kamala vorsichtig herantasten, da jedes Tier individuell reagieren kann und Kamala bei Überdosierung abführend wirkt.

Es besteht für die Verwendung von Kamala in Deutschland derzeit
keine Zulassung für Lebensmittelliefernde Tiere
(Österreich und Schweiz dulden die Verabreichung)

Zugelassene Produkte:

Seit einigen Jahren gibt es auch diverse Leckschalen mit Parasitenabwehrenden Kräutern.
Diese sind ebenfalls sehr empfehlenswert und bieten gerade für Weidetiere (Rind, Schaf, Ziege, Pferde, Alpaka) eine sehr gute Möglichkeit der Prophylaktischen Therapie gegen Parasitenbefall. Zu Weidebeginn, aber auch zwischendurch ist es durchaus sehr sinnvoll diese Leckschalen einzusetzen.
Die Kosten liegen hier bei etwa 2,20 Euro/Tier
Produktempfehlung: Leckschale: „Herba-Tex-W“ (www.vetro-star.de) mit Bio-Zulassung.

Konventionelle Parasitenbehandlung kritisch betrachten!

Weidehaltung ist die schönste, effektivste und natürlichste Form der Grünlandnutzung die es gibt. Rinder auf der Weide sind gesünder, das Wohlbefinden steigt und zusätzlich ist der Erhalt des Grünlandes ein sehr wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.
Aber wie es eben mit allen Dingen ist, wo es Vorteile gibt, tauchen auch immer Nachteile auf. Der Parasitendruck erhöht sich mit jedem weiteren Jahr der Beweidung teilweise massiv.
Vor großen Problemen stehen hier besonders Betriebe mit Rindern in Kurzrasenweide-Haltung.
Die Betriebsleiter sind gefordert, schädigenden Endoparasitenbefall an ihren Tieren zu erkennen und dementsprechend darauf zu reagieren.
Doch sind gerade chemische Parasitenmittel in vielen Betrieben ein eher unbeliebtes Therapeutikum. Gerade Biobetriebe können die jährlich mehrmalige Verwendung dieser Präparate nicht mit dem Biologischen Grundgedanken vereinbaren.
Zusätzlich ist das wichtige Dungabbauende Prinzip der Kurzrasenweide durch die Bodenlebewesen mit der Verwendung chemischer Parasitenmittel extrem gefährdet. Universitätswissenschaftler aus Lüneburg haben bewiesen, dass der Dunghaufen sich auf Wiesen, durch die Anwendung von chemischen Parasitenmitteln, nicht mehr abbaut. Es wurde festgestellt, dass bei der Verwendung von diversen Parasitenmitteln bis zu 90% der wichtigen Bodenlebewesen abgetötet wurden. Zusätzlich als problematisch einzustufen ist dass die Halbwertszeit der ein-gesetzten Präparate teilweise über 15 Jahren liegt.
Auch die sogenannten „Altstoffe“, zu denen gerade die Antiparasitika gehören, sind eine tickende Zeitbombe. 2003 wurden beispielsweise in Deutschland 50 Tonnen Antiparasitika verbraucht. Siehe hierzu auch die Schriftenreihe des „Umweltbundesamtes zur Risikobewertung zu Tierarzneimittel“. „Altstoffe“, bedeutet das die Mehrzahl der vermarkteten Tierarzneimittel vor 1998 zugelassen wurde und somit keiner geregelten ökotoxikologischen Prüfung unterlag, d. h. diese wurden seit 1998 nicht mehr auf deren toxikologischen Auswirkungen und den Eintrag in Boden und Grundwasser geprüft.
Ebenfalls darf die Wirkungsweise der Anwendung von Aufgussmitteln und die Fragestellung des Verbrauchers hierzu nicht unterschätzt werden.
Eine zusätzliche Problematik der chemischen Parasitenmittel ist die zunehmende Resistenzbildung. Dieses Problem ist für viele Betriebe in Ländern wie beispielsweise Neuseeland, welche seit langem schon Weidehaltung praktizieren, Existenz bedrohend. Sind die Parasiten erst einmal resistent, gibt es keine Umkehr.

Es gibt einige bekannte natürliche Produkte, die eine sehr gute Parasitenreduzierende Wirkung haben. Diese Präparate werden schon seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. Kamala gehört zu den bekanntesten. Vor 1996 galt Kamala als „Biologisches Wurmpulver für Mensch und Tier“-ohne Rückstände. Die Firmen Schaette, Schopf und Terrapharm waren nur einige, die dieses bewährte Futtermittel im Verkauf hatten.
Nach der Arzneimittelgesetz- Novelle 1996 wurde Kamala die Verwendung als Wurmmittel beim Lebensmittelliefernden Tier aus rechtlichen und Pharma-
Industriellen Hintergründen nicht gewährt. Es gab aber hierzu keine offizielle Studie, die eine Bedenklichkeit dieses Mittels darstellen konnte. Das Mittel wurde daraufhin nur noch als Bio-Färbemittel für Seide deklariert. Da es hierfür ebenfalls Verwendung findet.
Viele Betriebe verwendeten dieses Präparat weiter, da die positive Wirkung ja schon seit langem bekannt war und in vielen Betrieben schon seit Jahrzehnten eingesetzt wurde.
Kamala wird in letzter Zeit sehr häufig als giftiges Präparat bezeichnet. Es ist hier ganz eindeutig die Dosis, die eine Wirkung gegen Parasiten oder eine unangenehme abführende Wirkung für das Wirtstier oder auch den Menschen bedeutet. Wo nicht auch eine Giftigkeit ist, wird es auch keine
Wirkung geben. Allein die Tatsache, dass Kamala auch von vielen Menschen eingenommen wird, kann von einer Gefährlichkeit oder Giftigkeit bei der Anwendung dieses Präparates keine Rede sein. Auch ein Esslöffel Salz beispielsweise, kann zum Tode führen, während eine Brise aufs Frühstücksei äußerst schmackhaft ist.

Die Asiatische Pflanze Kamala auch Mellelotus genannt, hat mehrere verwendbare Pflanzenteile. Für das Parasitenwirksame Fruchthaarpulver wird das äußere Haar der Samenkapsel verwendet. In der Samenkapsel befindet sich das sogenannte „Rottlerin“ das nicht verwendet wird.

Kamala wirkt nicht bei Dasselfliegen aber es hat eine eindeutige Wirkung auf Endoparasiten wie Nematoden, Strongyliden, Egel, Eimeria, Oozysten und Bandwürmer. Es lähmt die Parasiten im Larvenstadium, dadurch werden die Larven ausgeschieden und sterben dann außerhalb des Wirtstieres ab. Durch den Einsatz von Kamala werden nie alle Parasiten abgetötet, das positive daran ist, dadurch wird die körpereigene Immunisierung gegen Parasitenarten gefördert und eine Resistenzbildung verhindert. Zudem ist es denkbar – aber derzeit ist noch nicht erforscht – ob evtl. auch ein leichter Parasitenbefall für bestimmte Enzymvorgänge im Darm beim Wirtstier von Nöten ist.
Die Wirksamkeit und Anwendung von Kamala hat sich bewährt, es gilt bei Tierbesitzern als beliebtes Präparat, das nachhaltig die Tiergesundheit fördert.
Es ist von entscheidender Wichtigkeit für Alternativen offen zu sein. Es muss hier eine Zusammenarbeit mit den vielfach bewährten Alternativen angestrebt werden. Ob ein Betrieb mit chemischen Parasitenmitteln oder mit Alternativen entwurmt, der Erfolg ist immer abhängig von der korrekten Dosis und der Häufigkeit der Anwendung der Präparate.
©Praxisgemeinschaft IGARI®

Birgit Gnadl und Angela Lamminger
www.nutztierhomoeopathie.de

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2020-11-06T12:19:27+00:00