Blutegeltherapie beim Rind

Blutegeltherapie beim Rind

Gesetzliche Grundlagen

Seit 30.07.2004, der 12. Novelle des Arzneimittelgesetzes (AMG) ist der Blutegel eindeutig als Arzneimittel eingestuft:

§2 Arzneimittelbegriff

1 Arzneimittel sind Stoffe oder Zubereitungen aus Stoffen, die zur Anwendung im oder am menschlichen oder tierischen Körper bestimmt sind und als Mittel mit Eigenschaften zur Heilung oder Linderung oder zur Verhütung menschlicher oder tierischer Krankheiten oder krankhafter Beschwerden bestimmt sind.

§3 Stoffbegriff

Stoffe im Sinne dieses Gesetzes sind Tierkörper, auch lebender Tiere, sowie Körperteile, -bestandteile und Stoffwechselprodukte von Mensch oder Tier in bearbeitetem oder unbearbeitetem Zustand.
Das bedeutet, dass alle Betriebe, die Blutegel für medizinische Zwecke in Umlauf bringen möchten, eine Herstellungs- und Großhandelserlaubnis benötigen.
(1) Bundesministerium der Justiz: Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln.

Bezug von Blutegeln

Da es sich hier um ein sog. Arzneimittel handelt, sind Blutegel ausschließlich über Apotheken zu beziehen.

Wirkungsweise des Blutegels

Der Egel saugt sich mit seinen 3 Kiefern (bestehend aus jeweils etwa 80 kleine Kalkzähnchen) in Form eines Y an der Haut fest. Nach dem Abfallen des Egels wird die Wunde in Y-Form sichtbar, es kann um die Bissstelle herum zu einer ringförmigen Rötung kommen.
Der Biss des Egels wird von Menschen als Berührung durch eine Brennnessel oder dem Stich eines kleinen Insektes verglichen. Tiere zeigen bei einer Blutegelbehandlung kaum Abwehrreaktionen und tolerieren diese in der Regel sehr geduldig, manche dösen dabei gelassen vor sich hin.

Das gesaugte Blut nimmt der Blutegel in seinen Magentrakt auf. Dort im Magentrakt werden die festen Bestandteile des Blutes vom Plasma getrennt, während dieses Vorgangs zeigt sich ein leicht wässriger, schleimiger Film auf der Haut des Blutegels.

Ein erwachsener Blutegel wiegt ca. 4-10 g und kann ungefähr die sechs- bis zehnfache Menge seines Körpergewichts an Nahrung aufnehmen, d.h. ca. 20–50 ml Blut, in etwa die gleiche Menge fließt dann durch das Nachbluten noch einmal ab.

Die Blutegelmahlzeit dauert ungefähr 15 – 60 Minuten. Der Blutegel muss von selbst abfallen und darf niemals mit Gewalt entfernt werden!
Die Durchblutung in der Wundumgebung ist noch für bis zu drei Tage erhöht. Dadurch kommt es gelegentlich zu einem unangenehmen Juckreiz, was jedoch die Phase der Nachwirkung durch verbesserte Zellernährung und -entgiftung verlängert. Die Wunde verkrustet.

Entsorgung

Nach der Behandlung muss der Blutegel getötet werden, damit keine Gefahr besteht, bei einem erneuten Biss Keime an das neue Wirtstier weiter zu geben.
Selbst die spätere wiederholte Verwendung eines Blutegels an demselben Tier, ist nach aktueller Rechtsprechung seit 2006 ausdrücklich untersagt.

Der humanste Tötungsprozess ist das, die Egel fallen in der Kälte in eine gewisse Stoffwechselruhe, dies führt zu einem relativ stressarmen Tod.

Speichel-Inhaltsstoffe

Während des Zubeißens und des Saugens, aber auch beim Loslassen schüttet der Blutegel mit seinem Speichel die unterschiedlichsten Sekrete aus. Man geht davon aus, dass der Speichel zwischen 30 und 100 Substanzen enthält, von denen allerdings bis heute nur acht benannt und einigermaßen erforscht sind.
Hirudin – gerinnungshemmende Wirkung.
Calin – ebenfalls eine gerinnungshemmende Wirkung; sorgt für die ausgiebige Nachblutung und Reinigung der Wunde.
Hyaluronidase – setzt die Permeabilitätsbarriere herab, dadurch gelangen die Wirkstoffe leichter durch die Zell- und Gefäßwände in das Gewebe.
Weitere Substanzen: Eine histaminähnliche Substanz erweitert die Gefäße, dadurch fließt das Blut schneller zu der Bissstelle und der Egel wird schnellstmöglich mit genügend Blut versorgt. Bdellin, Egline und Kollagenase wirken zum Teil gerinnungs- aber auch entzündungshemmend.

Weitergehende Wirkungen und andere Substanzen werden noch untersucht.

Weitere Infos zum Thema“Blutegelbehandlung beim Rind“ finden Sie in der
4. Auflage „Klassische Homöopathie für Rinder“ von Birgit Gnadl.

2018-10-15T18:24:41+00:00